Sport, Emotionen, Identitäten: Was uns verbindet

Die deutsch-französische Zukunftswerkstatt

Inwiefern spiegelt der Sport die Gesellschaft wider?

Diese Frage stand im Mittelpunkt der deutsch-französischen Zukunftswerkstatt, die anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 vom Institut français, dem Frankreichzentrum CERC, der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Amt für Internationales der Stadt Bonn organisiert wurde. Ob man Vereinsmitglied, Profi oder einfacher Zuschauer ist, wie kann Sport – durch die starken Emotionen, die er hervorruft - unsere Identitäten prägen? Inwieweit nähert er sich der Politik an und kann er das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gemeinschaft stärken? Wie beeinflusst er die Beziehungen zwischen Nachbarn, Partnern, Feinden und Freunden?

Diese Frage ist besonders aktuell, da im Sommer 2026 die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko stattfand. Die Zukunftswerkstatt fand zudem am Tag nach dem Sieg des PSG im Champions-League-Finale statt, an den Claire Demesmay zu Beginn der Veranstaltung erinnerte und dabei die Szenen der Jubelstimmung – weit mehr als der Gewalt – in den Straßen von Paris hervorhob.

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
© Institut français Bonn

Sport als Ort der Erinnerung und des Zusammenhalts für die Staaten?

In seinem Eröffnungsvortrag blickt Ulrich Pfeil (Universität Lothringen) auf die großen sportlichen Momente zurück, die die deutsch-französische Geschichte geprägt haben. Der Sport konnte dabei als Machtdemonstration dienen, wie beispielsweise 1910, als die Tour de France durch das Elsass und Lothringen führte, die wieder unter französische Kontrolle gefallen waren: Die Streckenführung des Rennens erhielt dadurch eine besonders politische Bedeutung. So kann der Sport zum Ort der Gestaltung einer gemeinsamen Geschichte werden. Sport kann auch der Ort sein, um Kritik an der Gesellschaft zu äußern, wie beispielsweise, als Fans beim Spiel Frankreich gegen Algerien (2001) die Marseillaise ausgebuht haben oder als ein Zuschauer im Outfit eines KZ-Häftlings erschien, um gegen das Schweigen über die nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands zu protestieren (1952).

Dennoch steht die Konfrontation der Freundschaft nicht im Wege, wie die vier Podiumsteilnehmer:innen betonen. Annika Zeyen-Giles, mehrfache Medaillengewinnerin im Rollstuhlbasketball, Olympiasiegerin im Para-Radsport (Tokio 2021) und Bronzemedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen in Paris, erinnert daran, dass sich Athleten unterschiedlicher Nationalitäten gut kennen und manchmal mehr verbindet als nur die Auseinandersetzung auf dem Spielfeld. Auch wenn daraus nicht immer eine Freundschaft entsteht, kann Sport doch eine Annäherung über die Rivalität hinaus ermöglichen, und zwar auf der Grundlage der Werte des Respekts, die er vermittelt und die von den Gegnern geteilt werden. Sport wirkt somit wie eine wortlose Sprache, die Menschen einander näherbringt. Ulrich Pfeil nennt das Beispiel zweier Dörfer, eines in Baden-Württemberg und eines in Lothringen, die bilaterale Sportwettkämpfe veranstalteten, bevor sie 1961 eine Partnerschaft eingingen.

Im Gegensatz zur Dynamik zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist der Sport heute Anlass für symbolische Gesten der Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich, wie beispielsweise beim Treffen zwischen dem französischen Staatspräsidenten und dem deutschen Bundespräsidenten im Vorfeld der Olympischen Spiele 2024.

Emotionen, die sich im Privaten abspielen: Unterstützung durch das Publikum und „Flashball-memories"

Diese kollektiven Erinnerungen beruhen in Wirklichkeit auf der Kraft individueller Erinnerungen. Das ist das Prinzip der „Flashball-Erinnerungen“, wie es Gabriele Neumann (Bundesinstitut für Sportwissenschaft) erklärt. Die durch den Sport vermittelten Emotionen sind so intensiv, dass sich die Menschen an ganz konkrete Details im Zusammenhang mit den Ereignissen erinnern: mit wem sie den Sportwettbewerb verfolgt haben, wann und wie. Das ist es, was diese besondere Verankerung im Gedächtnis und das Gefühl eines „Wir-Gefühls“ schafft. Die Diskussion bietet sogar die Gelegenheit, dieses Konzept zu veranschaulichen, denn als Reaktion auf den Vortrag von Ulrich Pfeil berichtet Yann Durand (Deutsche Welle), dass er sich persönlich und sehr eindrücklich an die Niederlage Frankreichs gegen die BRD im Jahr 1982 erinnert.

Auch für Profisportlerinnen und -sportler spielen Emotionen eine herausragende Rolle. Abgesehen davon, dass der Umgang mit Emotionen und die mentale Stärke zu den Kompetenzen der Athleten gehören, hebt Annika Zeyen-Giles den Unterschied hervor, den sie persönlich zwischen den Spielen in Tokio (2021) und denen in Paris (2024) empfunden hat. Da die ersten Spiele während der Covid-Pandemie stattfanden, hatten das Publikum und die Angehörigen der Athleten nur eingeschränkten Zugang zum Stadion, und obwohl sie bei beiden Anlässen gute Leistungen erbrachte, hat dies ihre Beziehung zum Wettkampf verändert. Von den Olympischen Spielen 2021 erinnert sie sich besonders daran, wie sie aus dem Flugzeug stieg und ihre Angehörigen wieder sah.

Vom aufkeimenden Interesse bis zur Förderung neuer Talente: Überlegungen zur Nutzung von Emotionen

Schließlich spielen auch die Medien eine Rolle dabei, wie sportbezogene Emotionen vermittelt und geteilt werden. Ulrich Pfeil nennt das Beispiel von Toni Schumacher, der 1982 auf deutscher Seite als „Held“ und in Frankreich nach dem sogenannten „Drama von Sevilla“ als „Monster“ dargestellt wurde. Yann Durand betont seinerseits, dass in Frankreich die Nationalmannschaften stärker im Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit stehen, während in Deutschland die lokalen Ligen sowohl in den Medien als auch im Alltag eine große Bedeutung haben. Dieser Unterschied in der Perspektive könnte auch Unterschiede darin erklären, wie Emotionen langfristig die Förderung neuer Sporttalente beeinflussen. Im Gegensatz zu Ländern wie Norwegen, wo Spiel und Spaß bis spät in die Nacht als Strategie zur Förderung junger Talente genutzt werden, verfolgt Frankreich – laut den vier Panelisten – in einer stärker leistungsorientierten Gesellschaft den Ansatz, möglichst viele Menschen bereits in jungen Jahren zu professionalisieren. Deutschland verfolgt eine ähnliche Logik, doch seine Entwicklung wird durch die Vielzahl der Ausbildungseinrichtungen behindert. Sowohl Gabriele Neumann als auch Annika Zeyen-Giles fordern eine stärkere Zentralisierung.

Die mediale Berichterstattung über Veranstaltungen wie beispielsweise die Olympischen Spiele kann ebenfalls dazu beitragen, die dominierende Stellung des Fußballs auszugleichen. Annika Zeyen-Giles berichtet über den Unterschied im öffentlichen Interesse am paralympischen Sport außerhalb der Spiele und während der Paralympischen Spiele. Hier steht das Interesse neuer Generationen von Sportlerinnen und Sportlern an der einen oder anderen Sportart auf dem Spiel: Die Sichtbarkeit der Athleten stärke ihre Vorbildfunktion und könne dazu beitragen, Begeisterung zu wecken. Je mehr Aufmerksamkeit eine Sportart bekommt, desto besser ist eine Professionalisierung der Athleten möglich, erhalten sie die finanzielle Unterstützung für Ausrüstung, mehr Zeit für Sport und Training. Auch eine differenziertere und vielfältigere Forschung steigern die Leistung.

Damit stellt sich die Frage nach der Nutzung emotionaler Impulse für die Talentsuche und -förderung sowie für die Unterstützung der aktuellen Sportlerinnen und Sportler. Laut Gabriele Neumann, die das Vermächtnis der Spiele von Paris 2024 analysiert, sollte dies bereits im Vorfeld der Wettkämpfe konzipiert werden, um wirksam zu sein.

Die Veranstaltung endete mit dem gemeinsamen Wunsch nach einem weiterhin lebendigen deutsch-französischen Austausch, auch über den Sport hinaus. 

Für diese spannenden Einblicke bedanken wir uns herzlich bei den Expertinnen. Wir danken außerdem dem Moderator Andreas Noll sowie allen Teilnehmenden für die gelungene Veranstaltung und die interessierten Fragen an die Panelistinnen.

Comment le sport agit-il comme miroir de la société ? A l’occasion de la coupe du monde de football 2026, c’est à cette question que s’est intéressé « l’atelier du futur » franco-allemand, organisé par l’institut français de Bonn, la mairie de Bonn, la Konrad-Adenauer-Stiftung et le Centre de la francophonie Ernst-Robert-Curtius le 2 juin 2026. 

Par les émotions fortes qu’il produit, que l’on soit licencié d’un club, professionnel ou simple spectateur, comment le sport façonne–t–il nos identités ? Dans quelle mesure se rapproche–t–il de la politique et peut-il renforcer le sentiment d’appartenance à un collectif ? Comment influe-t-il sur les relations entre voisins, partenaires, ennemis et amis ?

Cette question est particulière d’actualité, alors que le mois de juin 2026 marque l’ouverture de la coupe du monde de football accueillie par les États-Unis, le Canada et le Mexique. Cette table ronde a aussi lieu le lendemain de la victoire du PSG en coupe des champions dont Claire Demesmay, en ouverture de la séance, rappelle les scènes de liesse, bien plus que de violence, qui ont animé les rues de Paris. 

Le sport comme lieu de mémoire et de cohésion nationale ?

Dans son exposé inaugural, Ulrich Pfeil (Université de Lorraine) revient sur les grands moments sportifs qui ont marqué l'histoire franco-allemande. Le sport a pu y faire office de démonstration de force, comme en 1910 alors que le Tour de France passe par les territoires d'Alsace et de Lorraine revenus sous contrôle français : le tracé de la compétition prend un sens particulièrement politique. Le sport peut ainsi devenir le lieu de construction d'une histoire collective.

Il peut aussi être le lieu d’expression d’une opposition, comme lorsque des supporters ont sifflé la Marseillaise lors du match France-Algérie (2001) ou qu’un spectateur est venu habillé comme les prisonniers des camps de concentration pour protester contre le silence autour du passé nazi de l’Allemagne (1952).

Néanmoins, la confrontation n’empêche pas l’amitié, ainsi que le rappellent les quatre panélistes. Annika Zeyen-Giles, multimédaillée en basket fauteuil, championne olympique de paracyclisme (Tokyo 2021) et médaille de bronze aux JO de Paris, rappelle que les athlètes de nationalités différentes se connaissent bien et partagent parfois plus qu'un affrontement sur le terrain. Sans toujours aboutir à une amitié, le sport peut aussi permettre un rapprochement au-delà de la rivalité, sur la base des valeurs de respects qu'il véhicule, partagé par les adversaires. Le sport agit ainsi comme un langage sans paroles permettant de rapprocher les individus. Ulrich Pfeil cite l'exemple de deux villages, un de Bade-Wurtemberg et un de Lorraine, qui organisent des compétitions sportives bilatérales avant de se jumeler en 1961. 

Inversement à la dynamique de début du XXe siècle, le sport donne lieu aujourd'hui à des gestes symboliques de rapprochement entre l'Allemagne et la France, comme lors de la rencontre entre le président de la république et le président allemand avant les JO de 2024.

Des émotions qui se jouent dans l’intime : du soutien du public aux « flashbulb memories »

Ces mémoires collectives sont en réalité fondées sur la force des souvenirs individuels. C’est le principe des « flashbulb memories », expliqué par Gabriele Neumann (université de Cologne) :  les émotions véhiculées par le sport sont si intenses que les personnes se souviennent des détails très précis liés aux événements : avec qui ils ont assisté à la compétition sportive, quand et comment. C’est ce qui crée cet ancrage mémoriel particulier, et le sentiment d’un « Wir-Gefühl ». La discussion donne même l’occasion d’une illustration de ce concept puisqu’en réaction à l’exposé d’Ulrich Pfeil, Yann Durand indique qu’il se souvient personnellement et de façon très marquante de la défaite française contre la RFA en 1982.

Pour les sportifs et sportives professionnelles aussi, les émotions jouent un rôle de premier plan. Outre que la gestion des émotions et du mental fait partie des compétences des athlètes, Annika Zeyen-Giles souligne la différence qu’elle a personnellement ressentie entre les jeux de Tokyo (en 2021) et ceux de Paris (2024). Alors que les premiers ont eu lieu pendant la pandémie de Covid, le public et les proches des athlètes avaient un accès restreint au stade et, même qu’elle a été performante les deux fois, cela a changé son rapport à la compétition. Des JO de 2021 elle se souvient ainsi particulièrement de sa descente de l’avion et de ses retrouvailles avec ses proches.

 

De l’élan d’intérêt à la formation de nouveaux talents : penser la récupération des émotions

Enfin, les médias ont aussi un rôle à jouer sur la façon dont les émotions liées au sport sont transmises et partagées. Ulrich Pfeil donne l’exemple de Toni Schumacher, présenté en « héros » du côté allemand en 1982 et en « monstre » en France, après ce qui a été qualifié de « drame de Séville ». Yann Durand souligne quant à lui que, en France, les équipes nationales sont plus au centre de l’attention médiatique, là où en Allemagne les championnats locaux, dans les médias comme dans le quotidien, ont une grande importance. Cet écart de perspective pourrait aussi expliquer des différences dans la façon dont les émotions influent à terme sur la création de nouveaux talents sportifs. Contrairement à des pays comme la Norvège, où le jeu et l’amusement sont encouragés jusqu’à tard, comme stratégie de développement des jeunes talents, la France, dans une société plus orientée vers la performance – selon les quatre panélistes – suit une logique de professionnalisation d’un maximum d’individus dès le plus jeune âge. L’Allemagne suit une logique similaire mais son développement est entravé par la multiplication des institutions de formation. Gabriele Neumann comme Annika Zeyen-Giles appellent à une plus grande centralisation.

La médiatisation d’événements comme les Jeux Olympiques par exemple, peut aussi permettre de contrebalancer la position dominante du football. Annika Zeyen-Giles rapporte la différence d’intérêt du public pour le sport paralympique hors des jeux et lors des jeux paralympiques. L’intérêt de nouvelles générations de sportifs et sportives pour un sport ou un autre est ici en jeu : la visibilité des athlètes renforce leur rôle d’exemple et peut permettre de créer des envies. La professionnalisation des athlètes, le soutien financier permettant l’acquisition d’équipements, l’augmentation du temps consacré au sport et à l’entraînement, et le développement des performances portées par une recherche plus fine et plus variée est également influencée par l’attention portée à une diversité de sports.

Se pose alors la question de la récupération des émotions pour le repérage et la formation de nouveaux athlètes et pour le soutien des athlètes déjà en activité. Selon Gabriele Neumann, qui analyse l’héritage des jeux de Paris 2024, elle devrait être pensée dès en amont des compétitions pour être efficace.

La discussion s’est conclue sur le souhait unanime que l’amitié franco-allemande continue à s’exprimer également dans le sport.

 

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© IF Bonn
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