Weltordnung im Umbruch

Der deutsch-französische strategische Dialog* vom 9. Juni stand ganz im Zeichen eines tiefgreifenden Wandels der internationalen Ordnung.

Im Jahr 2026 übernimmt Frankreich den Vorsitz des G7. Vor diesem Hintergrund und im Vorfeld des Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefs in Évian stand der deutsch-französische Strategiedialog am 9. Juni 2026 ganz im Zeichen der Umgestaltung der Weltordnung.

Zwischen der Stärkung der europäischen Unabhängigkeit gegenüber den USA, der Infragestellung der Institutionen der globalen Führung und der Wahrung des Ideals der Vereinten Nationen: Welche Rolle kann das deutsch-französische Duo bei dieser geopolitischen Neuordnung spielen?

Unter dem Titel „Weltordnung im Umbruch“ führten Mathilde Leloup (Universität Paris 8) und Joachim Krause (Universität Kiel) eine bereichernde kontroverse Debatte, in der die unterschiedlichen historiografischen Perspektiven beider Länder auch deutlich geworden sind.

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
© Institut français Bonn

Der Sicherheitsrat: grundliegende aber nicht unüberschreitbare Institution

Die Sitzung begann mit der Frage nach dem Sicherheitsrat, der mit zwei großen Hindernissen konfrontiert ist: seiner Repräsentativität und der Gefahr einer Blockade durch das Vetorecht, insbesondere seitens Chinas oder Russlands, wie J. Krauses betonte. Wäre der Sicherheitsrat handlungsunfähig, oder sogar nicht mehr zeitgemäß? Mathilde Leloup fordert in diesem Zusammenhang mehr europäische Solidarität anstelle einzelstaatlicher Kandidaturen: Auch wenn Deutschland nicht in den Sicherheitsrat eintritt, könne es eine wichtige Rolle in der Weltordnung spielen, insbesondere als bedeutender Beitragszahler und drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Allerdings müssen sich die Partner zunächst über ihre jeweiligen Anforderungen, insbesondere finanzieller Art, einigen, wie J. Krause am Beispiel des Scheiterns des FCAS-Projekt hervorhob. 

Internationale Justizeinrichtungen oder Vermittlung von Werten können auch zur Festigung einer friedensorientierten Weltordnung beitragen. M. Leloup unterstreicht in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Nebenorgane der UNO, wie beispielsweise der UNESCO. Entgegen der Meinung von J. Krause, der eine Neuausrichtung auf die Governance-Institutionen forderte, halte sie deren Fortbestand für unverzichtbar für die Weltordnung, aufgrund der Werte, die sie vermitteln können, und der Herausforderungen, auf die sie aufmerksam machen. Sie erinnert daran, dass die Zerstörung von Kulturgütern ein Vorbote von Massengewalt ist. Schließlich hebt sie am Beispiel des Schutzes von Kulturgütern in Mali durch die Blauhelme auch die rechtliche Tragkraft dieser Organisationen hervor.

Joachim Krause möchte seinerseits die Frage der „Hard Power“ im Zeitalter der Reindustrialisierung offener thematisieren. Er hebt in diesem Zusammenhang die Schwierigkeiten einer strategischen Auseinandersetzung mit diesem Thema in Deutschland hervor, wo die Zahl der sich diesem Thema widmenden Universitätslehrstühle nach wie vor begrenzt ist und die Ausrichtung der Forschung auf den Frieden seiner Meinung nach eine eher ideologische Voraussetzung darstellt. Mathilde Leloup präsentiert eine andere Perspektive, da die französische akademische Tradition im Bereich der Strategiestudien ihrer Meinung nach dazu anregt, Sicherheitsprobleme interdisziplinär zu betrachten, insbesondere im Zusammenhang mit bildungs-, kultur-, umwelt-, ernährungs- und gesundheitspolitischen Herausforderungen. Sie warnt vor der Performativität des wirtschaftlichen Denkens, die dazu führen könnte, dass die Herausforderungen getrennt behandelt werden, obwohl auch nichtmilitärische Lösungen für Sicherheitsfragen vorgeschlagen werden können.

Die Stärkung des europäischen Pols durch die Schaffung eines neuen, eigens dafür vorgesehenen Gremiums: eine wirkungsvolle Alternative, bei der jedoch die Gefahr besteht, die Logik der „Clubs“ fortzuführen

Nach der Erörterung der verschiedenen UN-Institutionen richtet sich die Debatte auf die anderen Rahmenwerke des Multilateralismus. Mehr noch als von einer Krise der UNO sollte man vielleicht von einer Krise der G7 oder der NATO sprechen, darin sind sich die beiden Referenten einig. Joachim Krause schlägt in diesem Zusammenhang vor, ein neues trilaterales Format in Europa zu schaffen, beispielsweise zwischen Frankreich, Deutschland und dem Vereinigten Königreich, oder ein neues Gremium innerhalb der NATO, vorausgesetzt, dieses könne Führungsstärke beweisen. Mathilde Leloup warnt jedoch vor der Fortführung einer „Club-Logik“ und fordert dazu auf, über die Unterschiede zwischen Multilateralismus und Minilateralismus nachzudenken.

Schließlich hat die kontroverse Debatte zwischen den beiden Rednern deutlich gemacht, dass es mehrere Sichtweisen auf die sich im Umbruch befindliche und im Wiederaufbau begriffene Weltordnung gibt und dass es trotz der Meinungsverschiedenheiten einige Ansatzpunkte für eine Einigung gibt. Frankreich und Deutschland ergänzen sich sowohl militärisch als auch wirtschaftlich, darin sind sich beide einig. Die europäischen Mächte müssen sich abstimmen, um dem Erbe Trumps vorzugreifen, und sich dabei insbesondere auf die normative Kraft der Demokratien stützen. Darüber hinaus rufen beide Referenten dazu auf, die westlich geprägte Sichtweise der Weltordnung zu überwinden, damit diese der aktuellen Multipolarität besser entspricht.

*Die Diskussionsreihe deutsch-französische strategische Dialog wurde von 2020 bis 2025 organisiert vom Institut français, dem CASSIS und dem CERC an der Universität Bonn und der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.
Seit Juni 2026 ist die Reihe vom vom Institut français, dem CASSIS, dem CERC an der Universität Bonn, der Bonnerhochschulegruppe für Außen- und Sicherheitspolitik organisiert und von der Fritz-Thyssen-Stiftung gefördert.

En 2026, la France assure la présidence du G7. Dans ce contexte, et en amont du sommet des chefs d’État et de gouvernement à Évian, le dialogue stratégique franco-allemand du 9 juin 2026 a porté sur les restructurations de l’ordre mondial. 

Entre renforcement de l’indépendant européenne envers les USA, remise en question des institutions de gouvernance mondiale et maintien de l’idéal onusien, quel rôle le binôme franco-allemand peut-il jouer dans cette restructuration géopolitique ?

Sous le titre « Weltordnung im Umbruch » Mathilde Leloup (Université Paris 8) et Joachim Krause (Université de Kiel) se sont livré à un enrichissant débat contradictoire mettant en lumière les différences de perspectives historiographiques entre les deux pays.

Le Dialogue stratégique est organisé par l’Institut français de Bonn, le CASSIS et le CERC, en partenariat avec le BHAS et financé par la Fritz Thyssen Stiftung,

Le conseil de sécurité, incontournable mais pas indépassable

La séance s’est ouverte sur la question du Conseil de sécurité des Nations Unies, qui connaît deux écueils majeurs : sa représentativité, et le risque d’un blocage par le droit de veto, notamment de la part de la Chine ou de la Russie, ainsi que le rappelle J. Krause. Selon lui, ces écueils rendent le Conseil de sécurité « handlungsunfähig » et dépassé. Mathilde Leloup appelle en ce sens à une plus grande solidarité européenne, contre les candidatures individuelles des Etats : même si l’Allemagne n’entre pas au Conseil de sécurité, elle peut avoir un important rôle à jouer dans l’ordre mondial, notamment en tant que contributrice majeure et troisième économie mondiale. Encore faut-il que les partenaires se mettent d’accord sur leurs exigences respectives, notamment financières, rappelle J. Krause à l’exemple de l’échec du SCAF (FCAS).

Au-delà de la question d’une réforme de la Charte de San Francisco ou du Conseil de Sécurité, d’autres outils comme le droit international ou un travail sur la transmission des valeurs peuvent porter la consolidation d’un ordre mondial tourné vers la paix. Mathilde Leloup souligne à cet égard l’importance des organes périphériques de l’ONU, comme l’Unesco. Contre l’avis de J. Krause, qui appelle à un recentrage sur les institutions de gouvernance, elle estime leur maintien essentiel à l’ordre mondial, par les valeurs qu’ils peuvent véhiculer et les enjeux qu’ils soulignent. Elle rappelle ainsi que la destruction de biens patrimoniaux est un signe avant-coureur de violences de masse. Enfin, à l’exemple de la défense de biens culturels au Mali par les casques bleus, elle souligne aussi la puissance jurisprudentielle de ces organismes.

Joachim Krause souhaite quant à lui poser plus ouvertement la question du hard power, à l’heure de la réindustrialisation. Il souligne à cet égard les difficultés d’une réflexion stratégique sur le sujet en Allemagne, où le nombre de chaires universitaires consacrées à la question demeure limité et la focalisation de la recherche sur la paix un présupposé assez idéologique, selon lui. Mathilde Leloup présente une autre perspective, dans la mesure où la tradition académique française autour des études stratégiques encourage, selon elle, à penser les problèmes sécuritaires de façon interdisciplinaire, notamment entre enjeux éducatifs, culturels, environnementaux, alimentaires et sanitaires. Elle alerte sur la performativité de la pensée en termes économiques, qui pourrait conduire à traiter les enjeux séparément, alors même que des solutions non militaires à des questions de sécurité peuvent aussi être proposées.

 

Le renforcement du pôle européen par la création d’un nouvel organe dédié : une alternative puissante, au risque de perpétuer la logique des clubs

Après avoir discuté des différentes institutions onusiennes, le débat se porte sur les autres cadres du multilatéralisme. Plus que la crise de l’ONU, c’est peut-être d’une crise du G7 ou de l’OTAN dont il faut parler, s’accordent les deux intervenants. Joachim Krause suggère à cet égard de créer un nouveau format trilatéral en Europe, par exemple entre la France, l’Allemagne et le Royaume-Uni, ou une nouvelle instance à l’intérieur de l’OTAN, à condition qu’elle puisse faire preuve de leadership. Mathilde Leloup alerte cependant contre la perpétuation d’une « logique de clubs » et invite à réfléchir aux différences entre multilatéralisme et minilatéralisme.

Finalement, le débat contradictoire entre les deux intervenants a souligné l’existence de plusieurs visions de l’ordre mondial en déconstruction et reconstruction et, malgré les désaccords, quelques pistes d’entente. La France et l’Allemagne sont complémentaires, militairement et économiquement, s’accordent-ils à dire. Les puissances européennes doivent s’accorder pour anticiper l’héritage trumpien, en s’appuyant notamment sur la puissance normative des démocraties. Au-delà, les deux intervenants appellent à dépasser la vision occidentaliste de l’ordre mondial pour que celui-ci corresponde davantage à la multipolarité actuelle.

Dialogue strat.
© Institut français Bonn
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